
Die Meisterschülerinnen und -schüler lernten beim Kreativprojekt „Vorhang auf!“ neue Wege zu gehen und sind stolz auf ihre Ergebnisse.
© Julia Stier / Handwerkskammer Oldenburg
Öse war gestern
Beim Kreativwettbewerb „Vorhang auf!“ der angehenden Raumausstattermeisterinnen und -meister ging es um ungewöhnliche Aufhängungen für Vorhänge. Aus einem vorgegebenen Stoff und Restmaterialien entwickelten sie funktionale Lösungen, die eine Jury prämierte.
erstellt am 15. Mai 2026
Oldenburg. Wenn aus Büroklammern, alten Schnüren oder Bauteilen ein tragfähiges System wird, zeigt sich, wie viel Erfindergeist im Handwerk steckt. In der Fachschule für Raumausstatter stand in den vergangenen Wochen ein Kreativprojekt im Mittelpunkt: Die angehenden Meisterinnen und Meister sollten mit einem vorgegebenen Stoff ein Aufhängungssystem entwickeln – an einer Stange, einem Seil oder einer anderen Konstruktion. Ziel war es, aus Materialien, die sonst schnell als „wertlos“ gelten und im Abfall landen würden, etwas Besonderes zu gestalten.
Zum Arbeitsauftrag gehörte neben dem Entwurf und der Fertigung auch die Dokumentation. Für die Umsetzung hatten die Schülerinnen und Schüler sieben Wochen Zeit. Bei Fragen standen ihnen Projektkoordinatorin Oliva Maitra und die Raumausstatter-Dozentin Anette Löhr zur Verfügung. Am Präsentationstag stellten vierzehn Meisterschülerinnen und Meisterschüler ihre Ergebnisse vor.
Grundlage der Bewertung waren Funktionalität in der Nutzung, Kreativität und Originalität, Nachhaltigkeit sowie die handwerkliche und fachliche Umsetzung. Beurteilt wurden die Arbeiten von einer Jury: Hajo Kreye, Leiter des Berufsbildungszentrums der Kammer, Claudia Wiemer, Mitarbeiterin der Handwerkskammer Oldenburg, und Sascha Dempwolff, Geschäftsführer der Porschen Heimtex GmbH (Sponsor des Projekts). Er gab den Teilnehmenden einen Appell mit auf den Weg: „Leben Sie Kreativität, sie ist das Wertvollste, was Sie im Leben haben. Beschäftigen Sie sich mit Akustik, Sonnenabduktion und dem Klimawandel, der in diesem Bereich immer mehr Gewichtung erhält.“
Auch wenn die Jury viele starke Ergebnisse sah, konnten zwei Meisterschülerinnen und zwei Meisterschüler besonders überzeugen. Den vierten Platz erreichte Hanna Kosiankowski mit einer gemütlichen Outdoor-Variante: Naturmaterialien und eine Knotentechnik sorgten für eine besondere Wirkung. Der dritte Platz ging an Till Hegemann. Massive Metallketten halten seine Kreation an der Stange – der lässige Look überzeugte. „Hat Spaß gemacht! Ich hatte große Freude daran, mich kreativ auszuleben und mir Gedanken über ein Produkt zu machen, welches weniger Beachtung in unserer Branche bekommt, weil man ja sonst immer auf die Ösen-Gleiter zurückgreift. Es war eine schöne Erfahrung, mit, wie ich finde, tollen Ergebnissen. Vielen Dank an Porschen!“, sagte er.
Auf Platz zwei landete Maximilian Dütsch mit einer flexiblen Lösung aus Magnetanbringungen. Diese machen den Vorhang schnell abzieh- und wieder anbringbar – geeignet für variable Raumsituationen. Ein großes Lob ging an die Erstplatzierte Ayla-Anastasia Kühn. Mit ihrem „SnapLoop“ entwickelte sie ein Konzept aus Spanngurten mit Schnappverschluss, das die Anbringung erleichtert und Raum für Anpassungen bietet. Zusätzlich erhielt sie den Creativity Award von Porschen. Die Gewinnerin erklärte: „Was ich für mich mitnehme, ist, auch mal bei anderen Gewerken nach Lösungen und Ideen zu schauen. Meine Aufhängung ist von Rucksäcken und Taschen inspiriert, bei denen ja auch viel mit Stoffen gearbeitet wird. Viele Berufe und Gewerke können in so vielen Bereichen kombiniert werden und gemeinsam tolle Lösungen und neue Ideen entwickeln.“
Oliva Maitra zog ein Fazit: „Heute ist klar geworden, dass wir uns im Moment noch von der KI unterscheiden, dadurch, dass wir einfach kreativ sind. Menschliche Kreativität und nicht KI-Kreativität. Die Meisterschülerinnen und -schüler haben viel Spaß beim Projekt gehabt und sind über sich hinausgewachsen.“
Alle Teilnehmenden erhielten Präsente – darunter handgemachte Brotschneidebretter, Raumausstatterscheren sowie weitere Utensilien aus dem Gewerk. Die Bestplatzierten bekamen zusätzlich je 150 Euro. Zum Abschluss wurde in ausgelassener Stimmung gemeinsam gebruncht, angestoßen und die Leistungen gefeiert.