KI generiert: Eine Gruppe von Menschen mit Haarnetzen steht in einer Bäckerei um einen Tisch mit frisch gebackenen Brezeln.

Mitten in der Backstube: Teilnehmerinnen und Organisatoren der „Betriebetour für Migrantinnen“ bekamen durch Geschäftsführer Gerhard Glup (Mitte) Einblicke in die Tätigkeitsfelder einer Bäckerei.
© Fenja Gralla / Handwerkskammer Oldenburg

Mut machen für Migrantinnen

Bei der „Betriebetour“ in Friesoythe lernten Frauen mit Migrations- oder Fluchthintergrund verschiedene Betriebe und potenzielle Arbeitsplätze kennen.

erstellt am 20. Mai 2026

Friesoythe. „Ich will arbeiten. Deshalb bin ich neugierig, was uns heute gezeigt wird. Ich bin auf jeden Fall bereit, einiges auszuprobieren.“ So motiviert zeigte sich eine Teilnehmerin gleich zu Beginn der Betriebetour. Die Organisatorinnen und Organisatoren – bestehend aus der Agentur für Arbeit Vechta/Cloppenburg, dem Landkreis Cloppenburg, dem Jobcenter Cloppenburg, der Handwerkskammer Oldenburg, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Oldenburgischen IHK sowie den Kooperationsstellen Frauen und Wirtschaft der Landkreise Cloppenburg und Vechta – begrüßten alle Teilnehmerinnen herzlich. Sie freuten sich über das Interesse der Frauen und betonten, dass die Teilnahme ein erster Schritt in Richtung beruflicher Zukunft sei.

Erster Stopp der Tour war das Krankenhaus St. Marienstift. Hier gab Pflegedienstleiterin Kerstin Thien, zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Reinigung und Küche, Einblicke in die vielfältigen Betätigungsfelder. „Bei uns gibt es sowohl Beschäftigungen mit als auch ohne erforderliche Vorkenntnisse. Besonders attraktiv ist eine Ausbildung zur Pflegefachkraft oder zur Pflegeassistenz. Denn sie bietet gute Aufstiegschancen und ist ein sehr krisensicherer Job.“ Doch auch ohne eine konkrete Ausbildung hätten die Teilnehmerinnen viele Möglichkeiten: „Bei uns sind Quereinsteigerinnen stets willkommen – sei es bei der Essensverteilung, als Küchenhilfe, Spülkraft, Mitarbeiterin in der Cafeteria oder in der Wäscherei.“ Voraussetzung sei, dass sie Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Kontaktfreude, Teamfähigkeit und Belastbarkeit mitbrächten. „Vom Minijob über Teilzeit bis hin zu Vollzeit finden wir für jede auch ein passendes Arbeitszeitmodell“, versicherte Thien. Da viele der teilnehmenden Frauen alleinverantwortlich in der Kindererziehung sind, war dies ein wichtiges Thema. „Wir schauen immer, dass die Arbeit mit der Familie vereinbar ist“, verspricht Thien. Genauso viel Entgegenkommen zeigte sie beim Thema Sprache. „Natürlich ist es wünschenswert, dass gut Deutsch gesprochen wird. Das ist vor allem im pflegenden Bereich wichtig. Gleichzeitig schauen wir auch hier, wie wir beim Spracherwerb unterstützen können, und auch mit einem niedrigeren Sprachniveau gibt es attraktive Jobangebote. Wir nehmen gerne jede Bewerbung!“

Das nahmen einige Teilnehmerinnen beim Wort und gaben ihren Lebenslauf und ihre Kontaktdaten ab. „Ich habe 13 Jahre im Einzelhandel gearbeitet und möchte jetzt gerne etwas anderes machen“, erzählte eine der Frauen. Der Vortrag im St. Marienstift habe ihr Mut gemacht, ihre Bewerbung dort abzugeben.

„Genau darum geht es uns“, bekräftigten die Organisatoren der Tour. „Wir wollen die Teilnehmenden auf dem ersten Weg zu einer neuen Arbeitsstelle mitnehmen. Ihnen zeigen, dass die Arbeitgeber offen sind und sich auf sie freuen und dass wir von den ‚Behörden‘ gesprächs- und hilfsbereit sind. Es geht gar nicht in erster Linie darum, direkt einen Job zu vermitteln – auch wenn das schon vorgekommen ist – sondern eher darum, Hürden und Hemmnisse abzubauen.“

Über abgegebene Lebensläufe konnten sich auch Alexander Heckmann, Geschäftsführer des Famila-Markts in Friesoythe, und sein Stellvertreter Michael Bendig freuen. „Wir suchen immer Mitarbeitende - sowohl Auszubildende als auch Hilfskräfte im Lager oder beim Einräumen der Regale“, betonte Bendig. Hier seien die Arbeitszeiten bis zu einem bestimmten Grad an die jeweilige Lebenssituation anpassbar.

Eine der ersten Fragen an Silke Hermes, Leiterin der Glup-Filiale im Famila-Markt, betraf ebenfalls das Thema Arbeitszeit. Auch hier lautete die Antwort, dass in der Bäckerei unterschiedliche Arbeitszeitmodelle möglich seien. Hermes berichtete über die Ausbildung zur Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk mit dem Schwerpunkt Bäckerei und dass man hier ohne Vorkenntnisse einsteigen könne. Allein das Sprachniveau werde von den Berufsschulen mit mindestens B2 vorgegeben.

Mit Brot, Brötchen und Kuchen ging es in der Backstube der Firma Glup im Gewerbegebiet von Friesoythe weiter. Bei der letzten Station der Tour erzählte Geschäftsführer und Bäckermeister Gerhard Glup, dass die Bäckerei mittlerweile in der fünften Generation geführt werde. Mit 40 Mitarbeitenden in der Backstube und der Verwaltung gebe es immer wieder Bedarf an Hilfskräften. „Wir haben bislang sehr gute Erfahrungen mit ausländischen Arbeitskräften gesammelt“, erzählte Glup. Teilweise seien die Mitarbeitenden schon seit 25 Jahren im Unternehmen. Deshalb freute er sich sehr, den Teilnehmerinnen die einzelnen Stationen und Abläufe in der Backstube zu erklären. „Selbst wenn heute keine Stelle frei ist, kann sich das täglich ändern und dann ist es schön, schon einmal persönlichen Kontakt gehabt zu haben.“

Die Organisatorinnen und Organisatoren waren sich einig: Die Betriebetour soll auch künftig fortgesetzt werden, um noch mehr Frauen mit Migrationsgeschichte den Einstieg in die Arbeit zu erleichtern.

Hussein Kerri

Hussein Kerri

Telefon 0441 232-240

kerri@hwk-oldenburg.de

KI generiert: Das Bild zeigt eine Gruppe von Personen, die in einem Supermarkt steht, möglicherweise bei einer Führung oder Besprechung.

Führte durch den Famila-Markt: Der stellvertretende Filialleiter Michael Bendig erklärte, welche Beschäftigungsmöglichkeiten es im Markt gibt.
© Fenja Gralla