
Im Austausch über die Lage im regionalen Handwerk (v. li.): Betriebsberater Cord-Christian Körner, Kammerpräsident Eckhard Stein, Karina Hinrichs (Geschäftsführerin Elektro Einemann) und Kammer-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke.
© Fenja Gralla / Handwerkskammer Oldenburg
Internationale Krisen verunsichern das Handwerk
Die in der Folge gestiegenen Kosten machen den Betrieben zu schaffen. Bei der Frühjahrsumfrage der Handwerkskammer Oldenburg sinkt der Wert, der das Geschäftsklima beschreibt, um sechs Punkte.
erstellt am 8. Mai 2026
Oldenburg. Im regionalen Handwerk ist der Geschäftsklimaindikator um sechs Zähler auf 112 Punkte zurückgegangen. Dies ist das Ergebnis der Frühjahrsumfrage, die von der Handwerkskammer Oldenburg an diesem Freitag vorgestellt wurde. „Im Vergleich zum Vorjahr beurteilen insbesondere die Betriebe des Kfz-Gewerbes, aus dem Baubereich und aus den Gesundheitshandwerken ihre Geschäftslage zurückhaltender. Lediglich bei den personenbezogenen Dienstleistungen ist der Indikator gestiegen“, sagte Kammerpräsident Eckhard Stein. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Friseure, Kosmetiker und Fotografen.
Stein sprach bei einem Pressegespräch den Kostendruck, unter dem die Betriebe stehen, an. „Aus den 353 Antworten, die wir erhalten haben, sticht dieses Thema als Risikofaktor hervor“, so der Präsident. „Das Handwerk braucht gerade jetzt verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Betriebe kämpfen nicht nur mit steigenden Kosten und Folgen internationaler Krisen, sondern auch mit den bekannten strukturellen Problemen wie Fachkräftemangel, hoher Bürokratielast und offenen Nachfolgefragen. Diese Belastungen bremsen uns zusätzlich“, so Stein.
Beim Auftragsbestand melden 70 Prozent der Betriebe unveränderte oder gestiegene Werte – ein leichtes Plus von drei Punkten gegenüber dem Frühjahr 2025 (67 Prozent). Die Umsatzentwicklung bleibt mit 66 Prozent nahezu stabil (Frühjahr 2025: 67 Prozent). „Beide Werte deuten auf eine solide, aber wenig dynamische Nachfragebasis hin“, sagte Präsident Stein. „Aber: Die Erwartungen der Betriebe an die kommenden Monate haben sich deutlich eingetrübt. Da auch der Blick nach vorn im Geschäftsklima abgebildet wird, erklärt sich der Rückgang auf 112 Punkte.“
Aus der betrieblichen Praxis berichtete Karina Hinrichs. Sie ist Geschäftsführerin bei Elektro Einemann in Sandkrug. „Wir hatten in den vergangenen Monaten eine sehr gute Auftragslage, aber es mischen sich Unsicherheiten ein. Bei öffentlichen Aufträgen kam es zu Terminverschiebungen, wie ich sie noch nicht erlebt habe. Die Spritkosten sind in kurzer Zeit auf monatlich 500 Euro mehr gestiegen.“ Zu der vom Bundesrat gestoppten Entlastungsprämie sagte die Chefin des 28-köpfigen Betriebes: „Die Entlastungsprämie hätte uns als Unternehmen in eine schlechtere Lage gebracht, da sie letztlich eine Verlagerung staatlicher Verantwortung auf die Arbeitgeber dargestellt hätte. Anstatt die Beschäftigten direkt zu entlasten, wäre eine zusätzliche finanzielle Belastung für Unternehmen entstanden.“
Bei der Konjunkturumfrage gehört Elektro Einemann zum Ausbaugewerbe. „Mit 116 Punkten liegt der Geschäftsklimaindikator nur knapp unter dem Vorjahreswert (117) und zugleich über dem Durchschnitt des Gesamthandwerks (112)“, führte Cord-Christian Körner aus. Der Betriebsberater der Handwerkskammer hatte die Umfrage ausgewertet und ergänzte für das Ausbaugewerbe: „Auftragsbestand und Umsatz entwickeln sich positiv. Zurückhaltender fallen hingegen die Investitionen aus, da hohe Finanzierungskosten und das unsichere Marktumfeld größere Pläne bremsen.“
Karina Hinrichs beschäftigt derzeit vor allem der Punkt „Einkauf“. Die 40-Jährige fragt sich: „Wie viel lege ich mir auf Lager? Die Lieferzeiten werden gerade wieder zum Problem. Das erinnert an die Pandemie. Hinzu kommt, dass die Hersteller die Preise um acht bis 25 Prozent erhöht haben“, spürt Hinrichs, die das Unternehmen Anfang 2024 von Torsten Einemann übernommen hat, die Auswirkungen des Krieges im Iran.
Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, ging auf Betriebsübergaben ein. „Das Thema wird immer wichtiger für uns als Gesellschaft. Betriebsnachfolgen im Handwerk sichern Arbeitsplätze, Ausbildung und die Versorgung der Menschen vor Ort. Damit mehr Fachkräfte den Schritt in die Unternehmensverantwortung wagen, braucht es bessere politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und mehr Unterstützung auf dem Weg in die Selbstständigkeit.“ Bundesweit müssen nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks rund 125.000 Betriebsnachfolgen in den kommenden fünf Jahren geregelt werden. Das Handwerk in Deutschland umfasst eine Million Betriebe.