
Zufriedene Gesichter am Ende eines besonderen Projektes: Die 15 Teilnehmer streben den Meistertitel im Tischlerhandwerk an.
© Torsten Heidemann / Handwerkskammer Oldenburg
In Zeiten von KI – Tischlerarbeiten fürs Homeoffice
Meisterschüler entwickeln in einem Projekt Möbel für das Arbeiten zu Hause – mit viel Kreativität und nachhaltigem Materialeinsatz.
erstellt am 29. September 2026
Wie sieht ein Arbeitsplatz aus, wenn Handwerk, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz zusammenkommen? Bei der Handwerkskammer Oldenburg haben die Teilnehmer im Vorbereitungskurs zum Tischlermeister sehenswerte Antworten ausgestellt. Unter dem Leitthema „Kontor in Zeiten von KI“ entwarfen und fertigten sie multifunktionale Möbel für das moderne Arbeiten zu Hause.
„Im Mittelpunkt standen Funktionalität, Gestaltung und handwerkliche Qualität“, erklärte Projektleiterin Oliva Maitra. „Gleichzeitig ging es darum, vorhandene Materialien neu zu denken: Alte Fachwerkbalken, eine nicht mehr verwendete Intarsienarbeit, Lackmuster aus früheren Übungen, ausrangierte Platten und Tischgestelle, Platinenschrott im Epoxidharz oder sogar eine alte Hobelbank fanden Eingang in die individuellen Entwürfe.“
Von den 15 Projektarbeiten zeichnete die Jury vier in besonderem Maße aus. Jonathan Klein belegte den ersten Platz, zwei zweite Plätze gingen an Florian Hecker und Tom Walker und über den dritten Platz freute sich Paul Osterkamp.
Oliva Maitra begleitet seit mehr als zwölf Jahren Projekte dieser Art. In diesem Jahr stand die Frage im Mittelpunkt, welche Fähigkeiten angehende Handwerksmeister in einer Zeit brauchen, in der CAD, digitale Werkzeuge und KI immer mehr Aufgaben übernehmen können. Die Antwort ist für die Projektleiterin kein Entweder-oder: „Wer digitale Werkzeuge und KI kompetent einsetzen möchte, sollte auch verstehen, was er ihnen überträgt.“ Gestalterisches Vorstellungsvermögen, konstruktives Denken und die Fähigkeit, eigene Ideen zu entwickeln und zu beurteilen, blieben entscheidend, so die Projektleiterin.
Die Teilnehmer berichteten von ihren Erfahrungen: Im Projekt treffe der Entwurf unmittelbar auf die Realität. Materialien müssen beschafft, Arbeitszeiten geplant und konstruktive Herausforderungen gelöst werden. Gestalterische Entscheidungen wurden nicht nur am Bildschirm, sondern auch am Werkstück überprüft. Das Ergebnis: kein Möbel gleicht dem anderen. Trotz einer gemeinsamen Aufgabenstellung entwickelten die Meisterschüler ganz unterschiedliche Lösungen.
Möglich wurde das Projekt durch die Unterstützung von Sponsoren, der Jury sowie vieler weiterer Beteiligter vor und hinter den Kulissen. Für Oliva Maitra hat sich beispielhaft gezeigt, was Handwerk auch in Zeiten von KI ausmacht: „Neue Technologien verändern Werkzeuge und Arbeitsweisen. Die Fähigkeit, eigene Ideen zu entwickeln und daraus mit Wissen, Erfahrung und den eigenen Händen etwas Neues zu schaffen, bleibt.“
O-Töne von Teilnehmern:
Jonathan Klein: „Bei der Bearbeitung des Projekts habe ich gelernt, dass die Phase der Planung am wichtigsten ist, da von dieser ein reibungsloser Produktionsablauf und die Produktionsgeschwindigkeit abhängt. Mir ist aufgefallen, wie aufwendig die Arbeit mit Epoxidharz ist. Durch den händischen Beschichtungsprozess konnte ich viel Erfahrung mit dieser Arbeit gewinnen.“
Tim Dinklage: „Beim Bearbeiten des Projektes habe ich gelernt, welche Anforderungen ein moderner Arbeitsplatz tatsächlich benötigt und wie ich diese sinnvoll integrieren kann. Desweitern habe ich gelernt, wie ich bereits verwendete Materialien aus bestehenden Möbeln wieder verwenden kann und diesen dekorativ integriere.“
Paul Osterkamp: „Beim Bearbeiten des Projekts ist mir bewusst geworden das weniger manchmal mehr ist. Außerdem habe ich neue Materialien wie Heutapete und lichtdurchlässigen Naturstein kennengelernt. Das hat mich wirklich begeistert.“
Christopher Schönbrunn: „Während des Projektes habe ich gelernt, dass sich ständig neue Ideen und Verbesserungen entwickeln können. Außerdem hat mir das Projekt gezeigt, dass man aus alten Möbeln mit neuen Ideen und moderner Technik etwas Innovatives und Funktionales schaffen kann.“
Jan Timmermann: „Für das Meisterprojekt habe ich gelernt, dass man helfende Hände einplanen sollte, da es beim Lackieren schwierig war, das Ganze allein zu händeln.“