KI generiert: Drei Personen in Arbeitskleidung stehen an einem Tisch mit Metallstücken und scheinen sich über eine technische Aufgabe zu unterhalten.

Lehrwerksmeister Jens Benedix erklärt den Auszubildenden bei den Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen die Schweißverfahren.
© Fenja Gralla

Blick ins BBZ

Das Berufsbildungszentrum ist ein Ort des Lernens. Darüber hinaus gibt es aber auch Unerwartetes zu entdecken.

Kurze Wege für ein langfristiges Ziel: Der halbe Meistervorbereitungskurs der Zimmerer hat sich im Gästehaus des Berufsbildungszentrums (BBZ) einquartiert. Zwei Monate noch bis zur Prüfung. Schnell einen Kaffee in der Kantine, dann zum Unterricht. „Ich bin eine halbe Stunde vorher aufgestanden“, erinnert sich Tammo Meyenburg an den Luxus, keine Anfahrt zu haben. Die Abende waren aus seiner Sicht noch wertvoller: „Da haben wir alle zusammen gelernt. Und wir haben alle bestanden“, freut sich der Zimmermeister aus dem Landkreis Aurich.

Das Gästehaus auf dem BBZ-Gelände der Handwerkskammer in Oldenburg-Tweelbäke hat 28 Zimmer. Anke Haak und Monja Lütjens organisieren die Belegung. Es gibt Einzel- und Doppelzimmer; der Preis ist in den allermeisten Fällen günstiger, als wenn sich die Gäste in der Stadt ein Dach über dem Kopf suchen. Für Tammo Meyenburg ist der Plan aufgegangen. Er hat sich eine Mikrowelle und einen Kühlschrank in sein Zimmer gestellt. Durch das Wohnen auf dem BBZ-Gelände konnte sich der 23-Jährige sehr gut auf die Inhalte konzentrieren. „Aus dieser Zeit nehme ich viel mit. Die Gemeinschaft mit den anderen Zimmerern war super und man lernt viel Neues kennen. Ich komme aus dem Massivbau und fand es sehr spannend, was ich über den Holzrahmenbau erfahren habe.“

„Coole Kabinen“

Während Tammo Meyenburg die BBZ-Zeit hinter sich hat und später einmal selbstständig sein möchte, steht Leo Gerdes ganz am Anfang im Handwerk. Der 16-Jährige nimmt an seiner ersten Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) teil. In seinem Ausbildungsbetrieb, Klarmann Edelstahlverarbeitung in Westerstede-Ocholt, hat er noch nicht MAG-geschweißt. Unter Aufsicht der Lehrgangsleiter Jens Benedix und Max Pieper klappt es schon erstaunlich gut. „Ich finde die Kabinen hier cool und dass man zwischendurch mit den Azubis aus anderen Betrieben reden kann“, gefällt es Leo auf Anhieb.

Genau wie Leo Gerdes absolviert Kaja Siebs eine Ausbildung im Metallbau in der Fachrichtung Konstruktionstechnik. Kaja ist 22 und bereits im letzten Ausbildungsjahr. Sowohl bei Hinsche Gastro-Technik als auch bei zwei norwegischen Betrieben während eines Auslandspraktikums hat sie schon eine Menge gelernt. „Meistens habe ich mit dünnem Blech zu tun. In der ÜLU kommt dann MAG-Schweißen und Elektrode hinzu“, erklärt sie.

Die Prüfung kommt in Sichtweite

Bei Kaja naht die Prüfung, das beschäftigt sie natürlich. „Im BBZ kann ich ohne Druck üben, in der Werkstatt habe ich meinen eigenen Platz“, beschreibt sie das Umfeld. „Man lernt hier Selbstständigkeit und erhält qualifiziertes Feedback“, sagt die junge Frau aus Hatten und legt den Schwarzstahl beiseite. Pause.

Die Ampere-Zahlen vom Schweißgerät treten für eine halbe Stunde in den Hintergrund. Jetzt wird das interessant, was Annegret Uken in der Kantine anzubieten hat. Die Betreiberin der BBZ-Küche hat bereits früh morgens Kaffee und Brötchen im Angebot gehabt. „Ab 6:30 Uhr für die Gäste des Gästehauses – ab 7:30 Uhr als Büfett für alle“, präzisiert sie. Nun, zur Mittagsstunde, stehen warme Mahlzeiten bereit. Mit täglich zwei oder drei Menüs sorgen Annegret und Olga für eine ausgewogene Mischung. Immer ist auch etwas Vegetarisches dabei. Das Duo aus der Kantine bekommt viel Lob. „War immer lecker dort“, sagt auch Tammo Meyenburg, der Zimmermeister. Annegret Uken gibt aber auch Komplimente zurück: „Zu 98 Prozent haben wir nette Handwerkerinnen und Handwerker hier.“

Verständnis zum Holz aufbauen

Gut gestärkt geht es in den Nachmittag. In den Seminarräumen und in den Werkstätten wird wieder Fahrt aufgenommen. So auch bei Tischlermeister Jens Strothmann. „Bitte alle vier Ecken aufzeichnen, ich komme gleich gucken“, ruft er in den Raum. Er gibt zurzeit den Grundkurs GTI, bei dem es um Holzbearbeitungs- und Verbindungstechniken geht.

Einer, der hier Verständnis zum Holz aufbaut, ist der 18-jährige Finn Sternath aus Edewechterdamm. Er hat seine Ausbildung bei der Tischlerei Thorsten Rippen begonnen. In seiner ersten ÜLU geht es um einen Schrank. „Wir fangen heute mit der Vorbereitung von den Verbindungen an“, erklärt er und hat ein gutes Gefühl für das, was da noch kommen soll: „Die Lehrgänge helfen in der Ausbildung – und für das Gesellenstück“, lächelt Finn.

Neben den „Überbetrieblichen“ und Meistervorbereitungskursen gibt es in der benachbarten Werkstatt von Matthias Miethke ein Seminar für Jedermann. Der Ausbildungsmeister für die Fahrzeuglackierer hat den „Airbrush Grundkurs“ ins Leben gerufen. Vom 23. bis 25. März findet der nächste Einstieg in die Welt des Malens mit dem „Luftpinsel“ statt. „Airbrush kommt beispielsweise im Modellbau, in der Fahrzeuggestaltung oder in der Kunst als Applikationswerkzeug zur Anwendung“, beschreibt der Kursleiter die Möglichkeiten, das erworbene Wissen einzusetzen.

Ausbildung auf hohem Niveau

Seit mehr als zehn Jahren leiten Olaf Heuschkel und Hajo Kreye gemeinsam das BBZ. „Rund 150 Dozentinnen und Dozenten sowie 40 festangestellte Mitarbeitende sorgen täglich dafür, dass Ausbildung, Organisation und Betreuung auf hohem Niveau stattfinden. Ihr Engagement, ihre Erfahrung und ihre Nähe zum Handwerk machen den Unterschied“, sagt das Führungsduo.

Organisation für Veranstaltungen

Zwischen dem Werkstatt- und Verwaltungsgebäude ist Willi Folz unterwegs, als sein Telefon klingelt. Der Hausmeister geht ran. Am anderen Ende der Leitung ist Martina Arndt. Sie arbeitet für die Handwerkskammer am Standort Theaterwall und erkundigt sich, ob die Schals für die Meisterfeier eingetroffen sind. „Auch das ist das BBZ: Logistikzentrum für die ganze Kammer“, lacht Willi Folz.

„Im September wird hier wieder der Beitrag für den Festumzug beim Kramermarkt vorbereitet“, blickt er voraus. Das neue Motto, das am 3. Oktober auf den Straßen Oldenburgs zu sehen sein wird, verrät er noch nicht. Willi Folz marschiert an den Bäumen vorbei, die im vergangenen Jahr im Zuge „Baumpflanz-Challenge“ in die Erde gesetzt wurden. Nur noch wenige Schritte bis zur Verwaltung, dem organisatorischen Herzen des BBZ.  

Unter anderem wird hier das Management aller Räume betrieben. Einer davon ist der Veranstaltungsraum, in dem regelmäßig Angebote für Ausbilder, Führungskräfte und Betriebsinhaber stattfinden. Zu Themen der beruflichen Ausbildung gibt es beispielsweise den Workshop „Qualität in der Ausbildung“ für Gesellinnen und Gesellen oder das „Ausbilderfrühstück“.

Die betriebswirtschaftlichen Berater der Handwerkskammer haben hier ihre Veranstaltungsreihe „#handwerkist“ etabliert, wobei hinter „ist“ jeweils der Name des aktuellen Themas genannt wird.

Hausmeister Willi Folz hat unterdessen alles im Transporter verstaut, was heute in die Willersstraße muss. Auch im Stadtteil Donnerschwee ist das BBZ vertreten. Hier leitet Anette Löhr die ÜLUs und Meistervorbereitungskurse der Raumausstatter. Der Standort hat Tradition, denn nach dem Zweiten Weltkrieg wurde hier die „Fachschule für das Handwerk“ als Bundesfachschule für das raumausstattende Handwerk gegründet. Der Schulträgerverein hatte 2017 die Auflösung beschlossen und die Leitung der Schule dem BBZ der Handwerkskammer übertragen. Seitdem hat Hajo Kreye die Leitung inne.

Neben dem Postverkehr kümmert sich Willi Folz auch in der Willersstraße um Haus und Hof. Heute bereitet er einen Raum als Wahllokal vor. Ein weiterer Beleg, dass das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer weit mehr ist als „nur Unterricht“.

KI generiert: Eine Gruppe von acht Männern steht in einer Werkstatt vor Holzbearbeitungsmaschinen.

Lehrwerksmeister und Hausmeister auf einem Bild (v. li.): Jens Benedix, Torsten Neemann, Willi
Folz, Max Pieper, Matthias Miethke, Dimitri Ionov und Jens Strothmann.

© Fenja Gralla

KI generiert: Eine Gruppe von sieben Personen steht lächelnd in einem modernen Büro vor einem Empfangstresen.

Ein Teil des Teams in der Verwaltung (v. li.): Monja Lütjens, Doreen Bergemann, Marc Rathke, Anke
Haak, Claudia Tholen, Stefan Kirchhoff und Hajo Kreye.

© Fenja Gralla