Sprachen über die Geschäftslage im regionalen Handwerk (v.li.): Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Lukas und Dieter Melle von der Maschinenbau- und Landtechnik-Firma Melle aus Goldenstedt, Kammerpräsident Eckhard Stein und Michael Metzler, betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer Oldenburg.
Foto: Handwerkskammer Oldenburg

Das Oldenburger Handwerk bleibt robust

Der Indikator für das Geschäftsklima liegt in allen Branchen über 100 Punkte. Die Maschinenbau- und Landtechnik-Firma Melle aus Goldenstedt lieferte ein Praxisbeispiel bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Oldenburg.

erstellt am 16. Mai 2024

Oldenburg. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen bleibt das Handwerk im Gebiet der Handwerkskammer Oldenburg robust: Die Konjunkturumfrage zeigt eine weiterhin solide Geschäftslage. Der Geschäftsklimaindikator (GKI) ist leicht von 119 auf 113 Punkte gesunken, ergab die Frühjahrsauswertung, an der 899 Betriebe teilgenommen haben.

„Alle Branchen des regionalen Handwerks liegen über 100 GKI-Punkte“, sagte Kammerpräsident Eckhard Stein bei der Vorstellung der Zahlen im Rahmen eines Pressegesprächs. „Das Nahrungsmittelgewerbe verzeichnet einen starken Anstieg des GKI von 97 auf 132 Punkte, gepaart mit dem höchsten Auftragsbestand der vergangenen vier Jahre. Auch das Gesundheitshandwerk mit einem GKI von 132 (Vorjahr: 112) und die personenbezogenen Dienstleistungen (118 Punkte; Vorjahr: 89) liefern gute Werte.“

Herausforderungen sieht Präsident Stein im Ausbaugewerbe. Dort gab der GKI von 125 auf 111 Punkte nach und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2018. Im Baugewerbe (von 100 auf 102) und im Kfz-Gewerbe (von 132 auf 128) wichen die Antworten nicht groß vom Vorjahr ab, der GKI liegt aber gerade im Baugewerbe im Fünfjahresvergleich weiterhin auf einem sehr niedrigen Wert. Einen leichten Rückgang verzeichneten die so genannten Zulieferer: 111 Punkte (Vorjahr: 118) stehen bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf zu Buche.

Aus der betrieblichen Praxis berichtete Dieter Melle bei dem Pressegespräch. „Bis zum Jahresende sind die Auftragsbücher bereits gut gefüllt“, sagte der Inhaber der Melle GmbH & Co. KG, einem Unternehmen für Maschinenbau und Landtechnik aus Goldenstedt (Kreis Vechta). „Trotz der hohen Auslastung werden auch immer wieder Sonderwünsche erfüllt. Zum Beispiel kurzfristige Reparaturen oder Schweißarbeiten in der kritischen Infrastruktur oder in der Großindustrie“, so der Chef von 40 Mitarbeitern.

Der Sohn von Dieter Melle, Lukas, übernimmt als Feinwerkmechanikermeister und Betriebswirt des Handwerks bereits verantwortungsvolle Aufgaben. „Der Kundenstamm besteht aus verschiedenen Branchen. Wir würden weiteres Personal einstellen. Aber die Suche nach neuen Mitarbeitern und Auszubildenden gestaltet sich schwierig“, so Lukas Melle. Das Unternehmen stellt sich in den sozialen Medien vor. „Insgesamt sind die Mitarbeiter das wichtigste Kapital des Unternehmens“, ergänzte Dieter Melle.

Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, bewertete die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage wie folgt: „Die Rückmeldungen zur aktuellen Geschäftslage sind überwiegend positiv, dem stehen jedoch verminderte Erwartungen an die kommenden Monate entgegen. Verteuerte Finanzierungsbedingungen sowie geringere Exporte der Industrie hinterlassen Spuren.“ Für Henke ist es keine Überraschung, dass die Betriebe wieder einmal „Bürokratie“ und „Fachkräftemangel“ bei den Risiken ganz weit oben sehen. „Wir brauchen eine Bildungswende, um in Zukunft genügend qualifizierte Kräfte für die gesellschaftlichen Aufgaben zu haben“, sagte der Hauptgeschäftsführer.