
Die Rednerinnen und Redner der Eröffnungsfeier (v. li.): Bürgermeisterin Petra Averbeck, Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier, stv. Landesinnungsmeister Marcel Springmeier, Vorstandsvorsitzende Gisela Beckedorf, Schulleiter Ulf Pingel und Handwerkskammer-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke.
© Torsten Heidemann
Leuchtturm für die Kosmetik
In der Fachlehranstalt Oldenburg sind auf vier Etagen neue Schulungsflächen entstanden. Fördergelder kamen vom Bund und vom Land Niedersachsen.
Nach einer langen und von Verzögerungen geprägten Bauphase ist es so weit: Die Fachlehranstalt Oldenburg – für Friseure und Kosmetiker e.V. hat ihren neuen Erweiterungsbau für Ganzheitskosmetik und Wellness eröffnet. Mit dem Neubau erweitert die traditionsreiche Bildungseinrichtung ihr Schulungsangebot im Bereich Kosmetik und schafft zugleich neue Möglichkeiten für eine moderne und praxisorientierte berufliche Weiterbildung.
Auf vier Etagen sind rund 500 Quadratmeter neue Schulungs- und Nutzfläche entstanden. Davon entfallen etwa 270 Quadratmeter auf drei modern ausgestattete Praxisräume sowie weitere 100 Quadratmeter auf einen Theorie- und Mehrzweckraum. In den Praxisräumen werden künftig insbesondere Gesichts-, Körper und Wellnessbehandlungen sowie Visagistik geschult. Das Bildungsangebot soll von kompakten Tagesseminaren bis hin zu Vollzeitlehrgängen mit einer Dauer von bis zu 18 Wochen reichen.
Investition in die Zukunft der beruflichen Bildung
Für das Bauvorhaben wurden zuwendungsfähige Kosten von insgesamt 4,128 Millionen Euro anerkannt. Davon werden 2,4768 Millionen Euro beziehungsweise 60 Prozent durch den Bund und weitere 825.600 Euro beziehungsweise 20 Prozent durch das Land Niedersachsen gefördert. Die Fachlehranstalt selbst trägt mit 825.600 Euro weitere 20 Prozent der Investition.
Der Baubeginn erfolgte im September 2023. Ursprünglich sollte der Erweiterungsbau bereits im Dezember 2024 fertiggestellt werden. Mehrere Baustopps – darunter Unterbrechungen von insgesamt rund zehn Monaten – sowie daraus resultierende weitere Verzögerungen führten jedoch dazu, dass sich die Fertigstellung erheblich verschob.
„Wie schon bei den Friseuren soll hier auch für die Kosmetik ein Leuchtturm in Norddeutschland entstehen, mit dem wir einen Beitrag dazu leisten wollen, dem Fachkräftemangel in unserer Branche entgegenzuwirken. Gleichzeitig ist dieses Gebäude aufgrund der immensen zeitlichen Verzögerungen bei seiner Entstehung selbst ein Beispiel dafür, welche Auswirkungen der Fachkräftemangel in Deutschland inzwischen hat“, sagt Ulf Pingel, Direktor der Fachlehranstalt Oldenburg.
Ein Kompetenzzentrum mit bundesweiter Ausstrahlung
Die Fachlehranstalt Oldenburg blickt im Jahr 2026 auf eine 80-jährige Geschichte zurück. Seit ihrer Gründung im Jahr 1946 wurden einige tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet in Oldenburg auf die Meisterprüfung im Friseurhandwerk vorbereitet.
Mit der Gründung der Friseurakademie Oldenburg und der Kosmetikakademie Oldenburg im Jahr 2005 wurde das Bildungsangebot deutlich erweitert. Im September 2015 kam die Kosmetikmeisterschule Oldenburg hinzu. Heute zählt die Fachlehranstalt damit zu den großen Kompetenzzentren für die berufliche Aus- und Weiterbildung von Friseurinnen und Friseuren sowie Kosmetikerinnen und Kosmetikern in Deutschland.
Allein im Jahr 2025 verzeichnete die Fachlehranstalt 419 Teilnahmen an den modular aufgebauten Meistervorbereitungslehrgängen. Hinzu kamen knapp 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Seminaren und weiteren Fortbildungsangeboten. Vor der Baumaßnahme und der Corona-Pandemie lag die Zahl der Seminarteilnehmenden bei weit über 1.000 pro Jahr. An dieses Niveau möchte die Fachlehranstalt mit den neuen räumlichen Möglichkeiten wieder anknüpfen und das Angebot perspektivisch weiter ausbauen.
Neustart für den Seminarbereich
Während der Bauphase hatte die Fachlehranstalt ihr Seminarangebot bewusst reduziert. Die räumlichen Einschränkungen und die unmittelbar angrenzenden Bauarbeiten machten eine Durchführung im bisherigen Umfang kaum möglich. Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus beginnt deshalb zugleich eine neue Phase: Der Seminarbereich soll wieder deutlich ausgebaut und das Angebot an zeitgemäßen Fortbildungen für die Friseur- und Kosmetikbranche erweitert werden. Der neue Erweiterungsbau steht dabei für den Anspruch der Fachlehranstalt, Tradition und Zukunft miteinander zu verbinden: Nach 80 Jahren Bildungsarbeit in Oldenburg entstehen neue Möglichkeiten, um Fachkräfte auf aktuelle und zukünftige Anforderungen im Friseur- und Kosmetikhandwerk vorzubereiten.