KI generiert: Zwei Personen stehen draußen hinter einem großen Haufen Kabel.

Jonas Schlöbe ist einer der Auszubildenden bei Elektro Einemann. Seine Chefin Karina Hinrichs möchte den Bereich „Ausbildung“ weiter stärken.
© Torsten Heidemann

„Flexibel reagieren“

Der Krieg im Iran verteuert Baustellenprodukte. Für Karina Hinrichs wird das Lager zu einem zentralen Thema.

Wenn Karina Hinrichs elektronische Komponenten oder eine Wallbox bestellt, dauert es normalerweise ein paar Tage, bis die Teile im Betrieb eingetroffen sind. Doch seit Ausbruch des Iran-Krieges können es auch gut und gerne mehrere Wochen werden, bis die Geschäftsführerin von Elektro Einemann in Sandkrug darüber verfügt. „Wir spüren die Auswirkungen – sowohl bei den Lieferzeiten als auch bei den Kosten. Die Hersteller haben die Preise erhöht. Hier sind es mal acht Prozent, dort auch mal 25 Prozent.“

Kupferpreis ist stark gestiegen

Beispiel Kupfer: Die Folgen der Blockade der Straße von Hormus treffen fast jede energie- und transportintensive Lieferkette. Die steigenden Produktions- und Logistikkosten bekommen die Fachbetriebe im Einkaufspreis zu spüren. So auch bei Elektro Einemann in Sandkrug: „Bei Kabeln und Leitungen gibt es große Preissteigerungen. Der Kupferpreis ist im Vorjahresvergleich um 40 bis 50 Prozent nach oben geschnellt. Zurzeit können wir solche Steigerungen nicht 1:1 an unsere Kunden weitergeben“, sagt Karina Hinrichs. Die 40-Jährige begegnet dieser Herausforderung mit ihrer Grundhaltung: „Flexibel reagieren“.

Kostenfaktor digitalisiert

Thema „Lager“: Hier hat Karina Hinrichs eine große Umstrukturierung vorgenommen, nachdem sie den Betrieb Anfang 2024 übernommen hat. „Das Lager ist ein hoher Kostenfaktor, da wollte ich zuerst ran“, sagt die Fachwirtin des Handwerks. Sie hat die Materialwirtschaft digitalisiert. „Ich habe 28 Beschäftigte. Da ist mehr produktive Zeit auf der Baustelle, weniger gebundenes Kapital im Lager und weniger Stress wegen Fehlbeständen viel wert“, fasst sie zusammen und ergänzt: „Wir haben insgesamt bessere Daten für Einkauf und Kalkulation als früher.“

Alles im Fluss

Thema „Tablets“: Alle Monteure sind mit mobilen Endgeräten ausgestattet. Zeit­erfassung, Materialwirtschaft, Schnittstelle mit Großhandel und digitale Rechnungs­stellung binnen weniger Minuten: „Wir sind sehr schnell. Alles ist im Fluss“, strahlt Karina Hinrichs. „Wir teilen alles in der Cloud. Es gibt keinen Server mehr im Betrieb.“ Sie ist froh, den „Papierkrieg“ hinter sich zu haben.

Rückblick: 34 Jahre lang hatten Torsten und Melanie Einemann den Betrieb geführt. Sie haben Karina Hinrichs mit ihrer 20-jährigen Berufserfahrung im Bereich der Elektrotechnik als Projektleiterin und Prokuristin in ihr Unternehmen geholt – und schließlich die Übergabe angeboten. Zweieinhalb Jahre später sind beide noch als Back-Ups angestellt. „In speziellen Dingen ist es sehr hilfreich, ihre Meinung zu hören“, so Hinrichs.

Hamsterkäufe?

Thema „Krise“: Man unterhalte sich auf einmal wieder über die Corona-Zeit. „Damals haben viele in der Branche Hamsterkäufe getätigt. Ähnliche Überlegungen gibt es jetzt wieder. Aber ich bin der Meinung, wir sollten diesmal mit mehr Augenmaß die Lager füllen“, ist Hinrichs eine Verfechterin davon, dass das Lager immer in Bewegung bleibt. Technik und Produkte entwickeln sich weiter. Da möchte sie nicht auf etwas sitzen bleiben, was sich mittelfristig vielleicht nicht mehr einbauen lässt.

Wettbewerb nimmt zu

Bei den Ergebnissen der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer (Seiten 10 und 11) findet sie ihren Betrieb wieder. „Die Auftragslage ist gut, aber der Wettbewerb nimmt zu“, lautet die Zusammenfassung von Karina Hinrichs.

Die Umfrage hatte ergeben, dass die Geschäftslage für die teilnehmenden Betriebe stabil ist. Die Aussichten sind allerdings getrübt: Vor allem die gestiegenen Kosten stechen als Risikofaktor hervor. „Das Handwerk braucht gerade jetzt verlässliche Rahmenbedingungen. Unsere Betriebe kämpfen nicht nur mit steigenden Kosten und Folgen internationaler Krisen, sondern auch mit den bekannten strukturellen Problemen wie Fachkräftemangel, hoher Bürokratielast und offenen Nachfolgefragen. Diese Belastungen bremsen uns zusätzlich“, hatte Kammerpräsident Eckhard Stein bei der Vorstellung der Zahlen gesagt.

Stabiles Ausbaugewerbe

Das Ausbaugewerbe im Kammerbezirk präsentiert sich im Frühjahr weiterhin in robuster Verfassung. Der Geschäftsklimaindikator sinkt im Vergleich zum Frühjahr 2025 lediglich leicht – von 117 auf 116 Punkte. Damit liegt das Ausbaugewerbe vier Punkte über dem Gesamthandwerk (112 Punkte) und zählt im Branchenvergleich zu den stabilsten Gewerken.

Karina Hinrichs liebt an ihrem Gewerk, dass „wir von Anfang bis Ende auf der Baustelle sind – vom Baustrom bis zur Schalterabdeckung.“ Um Elektro Einemann weiterhin sicher durch die herausfordernde Zeit zu führen, setzt sie in der Betriebsführung künftig verstärkt auf klare Strukturen, flexible Abläufe, gezielte Weiterentwicklung des Unternehmens und die Stärkung der Ausbildung.  

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