Durch die aktuellen Einschränkungen hat das Gesundheitshandwerk, zu dem die Hörakustiker zählen, laut Umfrage einen Umsatzrückgang von 72 Prozent zu verkraften.
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Lage bleibt auch im Handwerk kritisch

Umsatzrückgänge bei 68 Prozent der Betriebe

erstellt am 30. April 2020

Oldenburg. Die durch das Coronavirus bedingte Situation macht den Handwerksbetrieben arg zu schaffen. Das zeigt eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), an der sich 2704 Betriebe in der vergangenen Woche beteiligt hatten. Demnach sind die Einschränkungen der Geschäftstätigkeit über den gesamten Monat April hinweg hoch geblieben. 68 Prozent berichten von Umsatzrückgängen, 52 Prozent von Auftragsstornierungen, 32 Prozent von fehlendem Material und 28 Prozent von fehlendem Personal.
 
„Die notwendig gewordenen Einschränkungen im öffentlichen Leben führen zu weitreichenden Konsequenzen im Handwerk“, sagt Kammerpräsident Eckhard Stein und erklärt weiter: „Besonders stark betroffen sind die Gesundheitshandwerke, die persönlichen Dienstleistungen wie Friseure, das Lebensmittel- und Kfz-Handwerk. In unserer Beratung dreht sich derzeit alles um Liquidität und Rechtssicherheit bezüglich der Arbeitsschutzstandards.“

Die Umfrage war bereits zum dritten Mal durchgeführt worden. Ende März und Anfang April sahen die Ergebnisse noch dramatischer aus. Bei der zweiten Erhebung hatten sogar noch 74 Prozent der Betriebe von corona-bedingten Umsatzrückgängen gesprochen.  

Mit dem aktuellen Stand vom 27. April hatten die persönlichen Dienstleister 92 Prozent Umsatzrückgang, die Gesundheitshandwerke 72 Prozent, das Kfz-Handwerk 47 Prozent und das Lebensmittelgewerbe 46 Prozent. Es folgen das Ausbaugewerbe (42 Prozent), die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (41 Prozent) und das Bauhauptgewerbe (35 Prozent). „Somit hat das Gesamthandwerk der Umfrage zufolge mit einem Umsatzrückgang von 53 Prozent zu kämpfen“, erläutert Kammerpräsident Stein.

Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie im Hinblick auf die Beschäftigten bleiben Kurzarbeit (42 Prozent), der Abbau von Arbeitszeitkonten (41 Prozent) und betrieblich angeordneter Urlaub (38 Prozent) die Mittel der Wahl. Weiterhin nur in wenigen Fällen wollen die Inhaber ihren Betrieb vorübergehend schließen oder Beschäftigte entlassen (jeweils 8 Prozent).
 

„Wir appellieren weiterhin, geplante Aufträge nicht ohne Not zu stornieren und hoffen dabei auf die Unterstützung der Kommunen. Das Handwerk ist in vielen Bereichen systemrelevant. Die Substanz der Betriebe  
wird von den weiteren politischen Maßnahmen beeinflusst. Große Bedeutung hat auch die Ausbildung. Hier brauchen die Betriebe jetzt Unterstützung. Das Handwerk leistet einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung – und zwar weit über das Handwerk hinaus“, so Eckhard Stein.