Der Ausbildungsberuf Anlagenmechaniker im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk wird zurzeit mehr angesteuert als im vergangenen Jahr.
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"Jetzt alles tun, um Ausbildungsverhältnisse zu erhalten"

Handwerkskammer warnt vor verschärfter Fachkräfteproblematik

erstellt am 4. Mai 2020

Oldenburg. Für das nach den Sommerferien beginnende Ausbildungsjahr haben sich bis Ende April 787 Schulabgängerinnen und Schulabgänger im Oldenburger Land für einen Handwerksberuf entschieden. Im Vergleich zum vergangenen Jahr registriert die Handwerkskammer Oldenburg einen Rückgang von 38 Lehrverträgen (-4,6 Prozent). „Wir hoffen, dass es sich um einen Verzug durch die Pandemie handelt und dass die Betriebe nun ihre Ausbildungsverhältnisse abschließen und melden“, kommentiert der Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung, Kai Vensler, das Zwischenergebnis.

„Zurzeit treffen die Coronafolgen die über 7.200 Auszubildenden, die schon in der Lehre sind. Ausfall von Berufsschule und überbetrieblichen Lehrgängen, die besondere Situation im Betrieb und für ein Drittel von ihnen stehen im Juli die Abschlussprüfungen an“, zählt Kai Vensler die aktuellen Herausforderungen auf.

Was die neuen Ausbildungsverhältnisse angeht, so legt die Bau- und Ausbaubranche um 12,6 Prozent zu. Zimmerer und Anlagenmechaniker sind hier die zugkräftigen Berufe. Der größte Bereich, das Elektro- und Metallgewerbe inklusive Kfz-Handwerk, büßt hingegen 8,3 Prozent ein. Wies die Statistik im Jahr 2019 noch 143 Kfz-Mechatroniker zu diesem Zeitpunkt aus, so sind es aktuell lediglich 106.

In der vergangenen Woche verdeutlichte eine Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), dass den Betrieben auch in der Pandemie die Ausbildung junger Menschen am Herzen liegt. Vensler: „Trotz der momentanen Umstände planen fast 45 Prozent der befragten Handwerksbetriebe, für das im Herbst startende Ausbildungsjahr genauso viele oder sogar mehr Auszubildende einzustellen als im Vorjahr. Sorgenvoll muss uns allerdings stimmen, dass 25 Prozent der Betriebe aufgrund der Unsicherheit ihr Ausbildungsengagement hinterfragen.“

Der Geschäftsbereichsleiter betont, dass das Handwerk einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung weit über das Handwerk hinaus leistet. „Deshalb müssen wir alles tun, das überproportional hohe Ausbildungsengagement des Handwerks zu halten. Es darf durch die Coronakrise keinen Schaden nehmen. Ausbildung und Qualifizierung sind Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Ein Rückgang bei der Ausbildungsleistung der Betriebe wird die Fachkräfteproblematik absehbar verschärfen.

Deswegen setzt sich das Handwerk besonders für die unterstützende Förderung von Ausbildung und Qualifizierung ein. „Konkret schlagen wir für ausbildende Betriebe einen einmaligen Zuschuss vor, der sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren sollte. Das wäre ein wertschätzendes und zugleich motivierendes Signal an die Ausbildungsbetriebe im Handwerk, in ihrem Engagement für die Nachwuchssicherung nicht nachzulassen“, so Vensler.