Daumen hoch für Ausbildung: Carsten Budzinski (li.) mit Martino Düßmann, der im dritten Jahr bei ihm lernt.
© Torsten Heidemann / Handwerkskammer Oldenburg

Ausbildung rückt jetzt in den Fokus

Handwerk stemmt sich gegen Folgen der Pandemie

erstellt am 2. Juni 2020

Oldenburg/Delmenhorst. Seit knapp 40 Jahren bildet der Kfz-Betrieb Budzinski aus. Die Firma betreibt in Delmenhorst Wartung und Instandsetzung mit modernsten Werkstatt- und Diagnosegeräten. „Unsere Auszubildenden bekommen ein sehr breites Spektrum mit. Sie lernen den Beruf von der Pike auf“, sagt Carsten Budzinski, der den Betrieb 1997 von seinem Vater übernommen hat. Für den Unternehmer heißt Ausbildung unter anderem, die Fachkräfte von morgen zu finden. Die Corona-Pandemie rüttelt daran nicht. „Wir werden auch nach der Krise Fachkräfte benötigen. Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, nicht mehr auszubilden.“

Deshalb hat er telefonisch und im persönlichen Kontakt mit dem gebotenen Abstand die diesjährigen Vorstellungsgespräche geführt. Das Ergebnis: Zum 1. August werden zwei junge Männer die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen. „Einer hat bereits eine kaufmännische Ausbildung und der andere, ein Bewerber mit Fluchthintergrund, hat sich über eine Einstiegsqualifizierung empfohlen“, beschreibt Kfz-Meister Budzinski die erfolgreiche Suche.

Die Handwerkskammer Oldenburg begrüßt dieses Engagement. Kai Vensler, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung, sagt: „Die Betriebe hatten rund um den Lockdown Finanzfragen zu klären und die Rechtslage zu organisieren. Jetzt rückt die Ausbildung wieder in den Fokus.“ Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen vom 31. Mai ernüchternd: Die neu eingetragenen Lehrverhältnisse sind um 16,5 Prozent (1019 statt 1220 Verträge) zurückgegangen.

„Wir hoffen, dass die Pandemie hauptsächlich eine zeitliche Verschiebung bedeutet. Bundesweit haben in einer Umfrage 45 Prozent der ausbildenden Handwerksbetriebe erklärt, dass sie genauso viel oder noch mehr ausbilden wollen. Aber es haben auch 25 Prozent gesagt, dass sie wohl weniger ausbilden werden“, sagt Kai Vensler. Der Blick in die nahe Zukunft bleibt undeutlich.

Mit dem Ausfall von Berufsorientierungsunterricht an den Schulen, dem Wegfall von Ausbildungsmessen und Berufsinformationstagen und auch den Einschränkungen im Alltag, fehlen den Betrieben Kontaktpunkte zu Jugendlichen und den Schulabgängern Information und Orientierung. Das Handwerk stemmt sich gegen die Folgen der Pandemie. „Wir fordern eine Unterstützung für Ausbildungsbetriebe“, sagt Vensler und meint damit einen einmaligen Zuschuss, der sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren sollte. „Das wäre ein wertschätzendes und zugleich motivierendes Signal.“

Zum 31. Mai hatten lediglich das Baugewerbe (185 statt 172) und das Nahrungsmittelhandwerk (21 statt 9) mehr neue Auszubildende eingestellt als im Vorjahr. Rückgänge gab es im Elektro- und Metallgewerbe inklusive Kfz-Handwerk (550 statt 708), bei den Gesundheits- und Körperpflegeberufen (80 statt 110), im Holzgewerbe (77 statt 80) und bei den kaufmännischen Berufen (79 statt 99).