Setzen sich gemeinsam für den Ländlichen Raum ein (von links): Gert Stuke (Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer), Dr. Thomas Hildebrandt (Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer), Gerhard Schwetje (Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Hans-Joachim Harms (Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Manfred Kurmann (Präsident der Handwerkskammer Oldenburg) und Heiko Henke (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg).
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„Ländlicher Raum braucht strukturelle Unterstützung“

Wirtschaftskammern starten gemeinsame Initiative

erstellt am 5. April 2019

Oldenburg. Fachkräfte, Digitalisierung, Ausbau der Infrastruktur, attraktiver Lebensraum: Bei den Top-Themen der Wirtschaft dürfen ländliche Räume gegenüber den Metropolen nicht zurückgelassen werden. „Der ländliche Raum braucht strukturelle Unterstützung. Wir haben viele gemeinsame Punkte, die wir für die Landespolitik zusammengefasst haben“, so die Präsidenten von Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer und Landwirtschaftskammer, Manfred Kurmann, Gert Stuke und Gerhard Schwetje.

Insbesondere die komplexen rechtlichen Vorgaben für die Genehmigung von Bauvorhaben im ländlichen Raum bedürfen aus Sicht der Kammerspitzen einer praxisgerechten Reform. Denn, so das einhellige Urteil: Ohne Anpassungen bekämen beispielsweise landwirtschaftliche Unternehmer nicht die Chance, in die Modernisierung ihrer Betriebe zu investieren - und dies könnte massive Auswirkungen auf die gesamte Wertschöpfungskette haben.

In einem am Freitag vorgelegten Papier werden zahlreiche Themengebiete, wie die Verkehrsinfrastruktur inklusive ÖPNV, Kommunikationsnetze, Bildungsinfrastruktur, Einrichtungen zur Gesundheitsversorgung sowie kulturelle und soziale Infrastruktur behandelt. Ziel ist, weitere Akteure für das Thema und die Initiative zu gewinnen. In ihren einleitenden Worten sagten die Präsidenten unter anderem:

Gert Stuke, Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer: „Wichtig ist jetzt vor allem der flächendeckende Breitbandausbau! Weitere wichtige Faktoren sind die regionale Infrastruktur, niedrige Standortkosten und qualifizierte Arbeitskräfte.“

Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen: „Eine moderne Landwirtschaft ist der Motor des ländlichen Raums. Basis dafür sind die sehr gut ausgebildeten, unternehmerisch denkenden Landwirtinnen und Landwirte. Damit sie ihre Betriebe auf die Zukunft ausrichten können, sind Fachkräfte ebenso wichtig wie eine leistungsfähige Infrastruktur und schnelle Datenautobahnen.“

Manfred Kurmann, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg: „Aus Sicht der Bevölkerung müssen Arbeit, Bildung und Grundversorgung gut zu erreichen sein. Ländliche Räume sollten als attraktive Bildungslandschaften erhalten und als solche ausgebaut werden.“

Die in Oldenburg ansässigen Wirtschaftskammern sehen die Stärkung der ländlichen Räume als eine zentrale Zukunftsaufgabe an und laden weitere Personen, Unternehmen und Institutionen ein, sich zu beteiligen. „Wir werden den Entwicklungsprozess der ländlichen Räume im Miteinander mit den urbanen Agglomerationen verantwortungsbewusst begleiten und unterstützen. Gute Ansätze sind im Koalitionsvertrag der Landesregierung formuliert. Diese gilt es nun aufzugreifen und weiterzuentwickeln“, heißt es in dem Positionspapier.

Basis dafür sei die Einrichtung eines fachübergreifenden Ressorts „Zukunftsentwicklung ländlicher Räume“ auf Landesebene. Dieses sollte in engem Kontakt mit den Gebietskörperschaften, den Ämtern für regionale Landesentwicklung und den Kammern erfolgen, um in gemeinsamer Verantwortung die ländlichen Regionen voranzubringen. Unterstützt werden sollte es durch die wissenschaftliche Expertise lokaler Universitäten und Fach- beziehungsweise Hochschulen sowie der Akademie für Raumforschung und Landesplanung.

In Regionalkonferenzen – sowohl in ganz Niedersachsen als auch im Oldenburger Land – sollten dann gemeinsam alle Regionalpartner unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger einen gemeinsamen Zukunftsplan 2030 entwickeln. Für die Erstellung und Umsetzung des Zukunftsplanes bedürfe es ausreichend finanzieller Unterstützung des Landes.