Hand in Hand: Dass Stadt und Handwerk an vielen gemeinsamen Themen arbeiten, verdeutlichten die Vorträge von Eckhard Stein, Präsident der Handwerkskammer, Jürgen Krogmann, Oldenburgs Oberbürgermeister und Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (v.l.).
© Handwerkskammer Oldenburg / Fenja Gralla

"Wir müssen die berufliche Bildung digitalisieren"

Handwerk: Kammerpräsident Stein sieht Investitionsbedarf

erstellt am 27. November 2019

Oldenburg. Bei der Vollversammlung der Handwerkskammer Oldenburg sind die Blicke an diesem Mittwoch in Richtung Zukunft gegangen. Positive Entwicklungen verspricht sich Kammerpräsident Eckhard Stein unter anderem von der Wiedereinführung der Meisterpflicht zur Ausübung der Selbstständigkeit in zwölf Gewerken sowie von der Fortsetzung der niedersächsischen Meisteranerkennungsprämie. Außerdem möchte die Kammer ein weiteres Thema voranbringen: „Wir müssen die berufliche Bildung digitalisieren“, sagte Präsident Stein.

„Wir werden Geld in die Hand nehmen müssen, um nachkommende Generationen zeitgemäß ausbilden und qualifizieren zu können. Das ist unser wichtigster Beitrag zur Fachkräftesicherung“, so Stein. Mit den Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Berufsbildungszentrum in Tweelbäke seien bereits große Schritte vollzogen worden, bei denen neben öffentlichen Mitteln auch erhebliche Eigenmittel aufgewendet wurden. Aufgrund von weiteren notwendigen Sanierungsmaßnahmen am Theaterwall sowie Ausstattungsmaßnahmen an allen drei Standorten, aber auch mit Blick auf die jährliche Steigerung der Personalkosten durch tarifliche Erhöhungen, votierte die Vollversammlung zum ersten Mal seit 15 Jahren dafür, die Beiträge anzupassen. Der Grundbeitrag steigt je nach Rechtsform und Höhe der Gewerbeerträge beziehungsweise Einkünfte aus Gewerbebetrieb um 10 oder 20 Euro pro Jahr, der Zusatzbeitrag um 0,1 oder 0,05 Prozentpunkte.

Digitalisierungsmaßnahmen seien unter anderem in der Ausbildungsberatung, im Prüfungswesen und im Berufsbildungszentrum notwendig. „Zudem müssen wir es unseren Betrieben auch in Zukunft ermöglichen, ohne großen Aufwand und zeitgemäß mit uns die erforderlichen Formulare abzuarbeiten“, erklärte Stein. Als bereits umgesetztes Beispiel nannte er den Online-Lehrvertrag, der den Betrieben Zeit, Porto und Papierkosten erspare.

Gastredner der Vollversammlung war diesmal Jürgen Krogmann. Der Oberbürgermeister der Stadt Oldenburg beschrieb das Handwerk als einen wichtigen Akteur. „Der Anteil der Handwerksbetriebe an allen Unternehmen liegt in Oldenburg bei etwa 12,5 Prozent. Das klingt nicht so viel, aber diese Firmen sind wichtige Arbeitgeber für etwa 9.000 Beschäftige in unserer Stadt. Sie arbeiten in sehr unterschiedlichen Gewerken und sorgen dafür, dass unser tägliches Leben gut funktioniert. Außerdem leisten alle Betriebe einen wichtigen Beitrag zu unseren guten Gewerbesteuereinahmen.“

Zuvor hatten Präsident Stein und Hauptgeschäftsführer Heiko Henke einen gemeinsamen Bericht präsentiert. „Wir freuen uns und werten es als starkes Signal für Qualität und Qualifizierung im Handwerk, dass der Gesetzentwurf zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken auf dem parlamentarischen Weg ist“, sagte Eckhard Stein.

Hauptgeschäftsführer Henke berichtete, dass 12.870 Betriebe der Handwerkskammer angehören. In Ausbildung befinden sich über 7600 junge Menschen. Immer beliebter wird bei den Betrieben die Möglichkeit, den Auszubildenden ein Auslandspraktikum zu ermöglichen. Davon profitierten in diesem Jahr 35 Lehrlinge. Sehr erfolgreich schnitten die Ausgelernten beim Praktischen Leistungswettbewerb des Handwerks ab. Vier von ihnen gewannen sogar den Bundesentscheid.

Die Handwerkskammer wird auch weiterhin die Integration geflüchteter Menschen fördern. „Sowohl im Migrationscenter Oldenburg als auch mit dem Integrationsprojekt Handwerkliche Ausbildung für Flüchtlinge und Asylbewerber setzen wir die Arbeit fort“, kündigte Präsident Stein an und betonte einen mittelfristigen Erfolg: „Immer mehr Geflüchtete kommen mit den Anforderungen der Ausbildung gut zurecht.“