Ihsan Alhai (rechts) berichtet den Besuchern über seine Erfahrungen und seine Tätigkeit im Migrationscenter.
© Handwerkskammer Oldenburg

Üben am Puppenkopf: Dawood Masheh (rechts) und Idee Nesro Haider Dena (links) zeigen den Gästen, was sie im Friseurbereich gelernt haben.
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Handwerk ist bunt und vielfältig

Zum Diversity-Tag öffnete das Migrationscenter seine Türen

erstellt am 29. Mai 2019

Oldenburg. Anlässlich des bundesweiten Diversity-Tages haben die Handwerkskammer Oldenburg und das Migrationscenter Oldenburg dazu eingeladen, einen Blick in die Werkstätten des Centers zu werfen und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Schulter zu schauen. „Handwerk ist bunt und vielfältig und unterstützt die Integration von Geflüchteten. Wir freuen uns, das Migrationscenter auf unserem Gelände beherbergen zu dürfen“, sagte Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zur Begrüßung. Er bekräftigte, dass ‚die Wirtschaftsmacht von nebenan‘ offen ist für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter, Religion oder sexueller Orientierung und die Handwerkskammer deshalb auch die Charta der Vielfalt unterzeichnet habe.  

Das Migrationscenter, für das die Handwerkskammer Räumlichkeiten auf dem Gelände des Berufsbildungszentrums in Tweelbäke zur Verfügung stellt, ist seit zwei Jahren ein Projekt des Jobcenters. Das Bildungsangebot wird gemeinsam von Handwerkskammer, Volkshochschule, Akademie Überlingen und Dekra Akademie organisiert und betrieben. Mit Sozialpädagogen, Ausbildern und Jobcoaches werden Kundinnen und Kunden des Jobcenters betreut und gefördert.

Ziel des Migrationscenters ist es, Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund für Arbeit und Ausbildung zu qualifizieren. Deshalb steht neben Sprachkursen auch die fachliche Unterweisung auf dem Stundenplan. Nach einem Erstgespräch werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einem von acht Berufen zugeordnet, um dort Grundfertigkeiten zu erlernen. Die Bereiche umfassen Küche, Lager/Logistik, Transport, Metall, Handel, Friseur/Kosmetik/Körperpflege, Bau, Farbe/Raumgestaltung und Holz.

Dawood Masheh ist seit vier Monaten im Migrationscenter und erlernt dort die Fertigkeiten eines Friseurs. Er ist vor zweieinhalb Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen und hat in seinem Heimatland als Verkäufer gearbeitet. Eine Zukunft im Friseurberuf könne er sich durchaus vorstellen: „Die Tätigkeit gefällt mir gut und ich hätte später auch wieder viel mit Kunden zu tun“, erzählt der 34-Jährige. Voraussetzung dafür ist ein gutes Sprachniveau, an dem tagtäglich gearbeitet wird. „In den Unterweisungen wird versucht, nur Deutsch zu sprechen“, erläutert Udo Hosse, Projektleiter des Centers. „So werden gleich die berufsspezifischen Fachbegriffe geübt.“

Auch Ihsan Alhai aus dem Irak lernt fleißig Deutsch und kann schon Arbeitsanweisungen für seine Mitstreiter übersetzen. Der 43-Jährige ist seit fünf Monaten im Migrationscenter und wurde dort dem Bereich „Farbe /Raumgestaltung“ zugeordnet. „Ich war im Irak Tierarzt für Großtiere. Aber die Anerkennung in Deutschland gestaltet sich schwierig. Mir macht der Bereich des Malers viel Spaß, allerdings würde ich mir wünschen, dass noch weitere Berufe angeboten werden.“

„Leider sind wir nicht in der Lage, alle Berufe abzubilden“, so Hosse. Das Center arbeite aber eng mit Anerkennungsstellen zusammen und versuche die Männer und Frauen entsprechend ihrer Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. „Von 515 Teilnehmern wurden in den letzten zwei Jahren 147 in den ersten Arbeitsmarkt integriert“, berichtet Carmen Giss, Geschäftsführerin des Jobcenters. Ein Erfolgsquote, die sich sehen lassen kann.