Drei Handwerker arbeiten an Waschbecken

Präsentierten das konjunkturelle Hoch im Handwerk (v.l.): Klaus Hurling (Betriebswirtschaftlicher Berater der Handwerkskammer Oldenburg), Heiko Henke (Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg, Manfred Kurmann (Präsident der Handwerkskammer Oldenburg) und Ingo Hermes (Geschäftsführer Hermes Systeme GmbH).
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Handwerk läuft auf Hochtouren

Bau und Ausbau liefern Spitzenwerte bei Konjunkturumfrage

erstellt am 14. Mai 2018

Oldenburg. Die Zahlen sind äußerst positiv, der Blick in die Zukunft ist aber nicht sorgenfrei: „Obwohl der Index für das Geschäftsklima um 10 Punkte auf 130 Zähler gestiegen ist, kann ich den Konjunkturhimmel nicht als wolkenlos bezeichnen“, sagte Manfred Kurmann, Präsident der Handwerkskammer Oldenburg, bei der Präsentation der Frühjahrszahlen. In der Gesamtbetrachtung läuft das Handwerk im Oldenburger Land auf Hochtouren. „Getrieben wird diese Entwicklung allerdings von einer außerordentlich guten Lage im Bau-, Ausbau und Zuliefererhandwerk“, erklärte der Kammerpräsident.

In diesen eher konjunkturabhängigen Handwerksgruppen liegen die Klimaindizes jeweils über 130 Punkten. Das Geschäftsklima in den eher konsumabhängigen Handwerksgruppen wird zurückhaltender eingeschätzt. Die Indizes für das Kfz-, das Nahrungsmittel- und das Dienstleistungshandwerk erreichen gute Werte um die 110 Punkte. Anders als im Vorjahr spüren die Konsumenten offensichtlich die moderat anziehenden Verbraucherpreise. Im Gesundheitshandwerk schätzen die Teilnehmer das Geschäftsklima mit einem Index von unter 100 Punkten zum zweiten Mal in Folge negativ ein.

Der Beschäftigungssaldo auf Ebene des Gesamthandwerks ist zum zweiten Mal in Folge positiv. Der Beschäftigungszuwachs ist in den konjunkturabhängigen größer als in den konsumabhängigen Handwerken. Dies ist angesichts der unterschiedlichen Lagebeurteilung auch erklärbar. Kammer-Hauptgeschäftsführer Heiko Henke betonte, dass man die gute Konjunktur nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen dürfe. „Deshalb appellieren wir an die Politik, Überschüsse jetzt nicht für Wohltaten zu verplanen. Die Handwerksbetriebe werden dagegen im gleichen Zuge stärker belastet, zum Beispiel durch einen Zuwachs an Bürokratie.“

Aus der betrieblichen Praxis berichtete Ingo Hermes. Der Geschäftsführer der Hermes Systeme GmbH bestätigte die Ergebnisse der Umfrage des Ausbauhandwerks (Index 144) und des Handwerks für den gewerblichen Bedarf (Index 132): „Das aktuelle Jahr sieht gut aus.“ Das Wildeshauser Unternehmen beschäftigt an vier Standorten 250 Mitarbeiter und bildet zurzeit 27 junge Menschen unter anderem zu Elektronikern der Fachrichtungen Automatisierungstechnik sowie Energie- und Gebäudetechnik aus. Von der Planung bis zum Service ist Hermes schwerpunktmäßig in den Bereichen Automatisierungs- und Messsteuerregeltechnik sowie Gebäudeautomation unterwegs.

„Unsere Ergebnisse sind nicht immer deckungsgleich mit den Konjunkturumfragen, dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle“, erläutert Ingo Hermes. Neben internen Change-Prozessen, die Kapazitäten binden, seien dies partiell auftretende Marktsituationen. Auch die Umsetzung neuer Vorschriften, wie die am 25. Mai dieses Jahres in Kraft tretende Datenschutzgrundverordnung, binden natürlich ohnehin knappe Ressourcen.

Der Geschäftsführer begrüßt grundsätzlich die neue niedersächsische Anerkennungsprämie für Meister. „Allerdings würde ich mir wünschen, dass die Gesellen ein paar Praxisjahre sammeln. Vielleicht könnte die Politik dies mit einer nach Erfahrungsjahren gestaffelten Förderung berücksichtigen. Den Betrieben fehlen schon jetzt die Gesellen und den neuen Meistern fehlt vielfach die notwendige Praxiserfahrung.“