Voneinander lernen: Angehender Maurermeister Gökan Tapu und Architekturstudentin Tomma Thiele bei einer fiktiven Baubesprechung.
© Handwerkskammer

Gemeinsam etwas erschaffen: Ein Modell-Mauerstück von Meisterschüler Gökan Tapu nach dem Entwurf von Architekturstudentin Tomma Thiele.
© Meerbach

Handwerk trifft Architektur

Meisterschüler und Studenten erarbeiten gemeinsames Projekt

erstellt am 22. Dezember 2017

Oldenburg. Handwerker und Architekten sind leider nicht immer die besten Freunde. Hier wie dort haben sich Vorurteile festgesetzt. Einerseits heißt es: „Architekten haben doch keine Ahnung, was sich auf der Baustelle realisieren lässt!“ und andererseits: „Die Bauhandwerker verstehen unsere Ideen ja gar nicht!“. Um dieses Konfliktpotenzial schon in der Ausbildung abzubauen und eine Kommunikation auf Augenhöhe zu fördern, haben der Meistervorbereitungskurs der Maurer und Betonbauer der Handwerkskammer Oldenburg sowie der Masterstudiengang „Architektur“ an der Hochschule Bremen an einem gemeinsamen Projekt teilgenommen.

Die Studierenden hatten die Aufgabe, ein Haus in der Bremer Innenstadt mit Klinkerfassade zu planen. Mit diesen Entwürfen ging es zur „Baubesprechung“ in das Berufsbildungszentrum der Handwerkskammer nach Oldenburg. Hier erläuterten die Studierenden ihre Zeichnungen und besprachen mit den Meisterschülern, ob es Probleme der Umsetzung geben könnte. Außerdem sollten die Maurer und Betonbauer darauf achten, ob sie später mit den Entwürfen praktisch arbeiten könnten. „Wir wollten eine möglichst realitätsnahe Situation schaffen, die sowohl auf die zukünftigen Architekten als auch auf die angehenden Meister im Berufsleben zukommt“, erklärt Prof. Katja-Annika Pahl, Dozentin für Entwurf und Gestaltung an der Hochschule Bremen und Initiatorin des Projektes. Laut Pahl sei es eine Chance, die gegenseitigen Kompetenzen kennen- und schätzen zu lernen.

Dieses Konzept ist auf beiden Seiten aufgegangen. „Im Studium diskutieren wir unsere Entwürfe immer mit unseren Professoren. Sie jetzt mit jemandem durchzusprechen, der selber schon Häuser gemauert hat, finde ich extrem hilfreich“, erzählt Tomma Thiele, Studentin im dritten Mastersemester. Für sie ergänze das Projekt den Praxisbezug im Lehrplan, der ihr oft fehle. „Von mir aus könnte es so etwas auch schon im Bachelorstudium geben. Man kann so viel voneinander lernen, das ist sehr wertvoll.“ Diese Meinung bestätigt ihr „Maurerpartner“ Gökan Tapu: „Es war zuerst schon etwas ungewohnt, war dann aber eine tolle Erfahrung. Tomma hat große Fachkenntnisse in der Theorie. Ich bin da eher der Praktiker und kann überprüfen, ob ihre gestalterischen Ideen auch wirklich funktionieren, oder ob man andere Lösungen finden muss. Das hat viel Spaß gemacht.“

Auch Dirk Meerbach, Dozent des Meistervorbereitungskurses für Statik und Bauphysik, ist von dem Projekt begeistert: „Ich habe nicht erwartet, dass es zu so lebhaften und konstruktiven Diskussionen kommen würde. Da bin ich positiv überrascht. Dieser erste Versuch ist auf jeden Fall sehr ermutigend und ich könnte mir durchaus eine Weiterführung auch mit anderen Kursen wie zum Beispiel den Zimmerern vorstellen. Denn letztendlich ist so eine Vernetzung für alle Gewerke in der Praxis sehr wichtig.“

Das Projekt soll mit einer Abschlusspräsentation in der Hochschule beendet werden. Hier stellen Studierende und Maurer gemeinsam die Entwürfe und ihre Überlegungen dazu vor.